Gefangene der grünen Gentechnik

US – Farmer berichten vom Anbau gentechnisch veränderten Saatguts

Die Marktmacht der wenigen global agierenden Saatgut – Konzerne haben die Bauern in den USA nur wenig entgegenzusetzen. Diesen Eindruck hinterließ eine Informationsveranstaltung für Landwirte und interessierte Bürger aus den Kreisen Herford und Lippe. Nach Bad Salzuflen eingeladen hatte der Kreis Lippe, Agenda 21 Herford und die AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft). Landrat Friedel Heuwinkel (CDU) und selbst Landwirt begrüßte alle TeilnehmerInnen und führte in das Thema ein.

Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut

Die amerikanischen Farmer David Dechant aus Colorado und Troy Roush aus Indiana berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut vor über 100 interessierten Zuhörern. Sie bauen auf ihren Farmen hauptsächlich Weizen, Mais und Sojabohnen an und stellten fest, dass der Anbau von GVO (Gentechnisch veränderten Organismen) in den USA schon seit 1996 gängige Praxis sei. Insbesondere gegen Unkraut – Vernichtungsmittel resistente Soja-, Mais-, Raps- und Baumwollkulturen werden auf 68 Millionen Hektar kommerziell angebaut. Auf Grund der anfänglich reduzierten Arbeitsbelastung begannen die Farmer sich gegenseitig Pachtland  streitig zu machen, da jeder mehr Flächen bewirtschaften wollte, so Troy Roush, der mittlerweile mit seinem Vater und  2 Brüdern 2.230 ha beackert. Die Folgen sind die Zerstörung des sozialen Zusammenhaltes unter den Farmerfamilien. Außerdem so Roush, „wird die Macht der Patentrechte genutzt, damit gentechnischfreies Saatgut nicht mehr konkurrenzfähig ist“. Während selbstgezogenes Saatgut inklusive aller weiteren Aufwendungen wie Düngung und Spritzmittel 1996 noch 90,- € pro ha gegenüber 100,- € für gentechnischfreies Saatgut gekostet habe, habe sich inzwischen das Verhältnis umgekehrt. In 2000 wurde die Familie Roush vom AGRO-Konzern (Monsanto) verklagt, gentechnisch verändertes Saatgut nachgebaut zu haben – aber zu Unrecht. Der Konzern kontrolliert die Nachzucht und belohnt anonyme Anzeigen gegen Farmer, die versuchen ihre „ Freiheit“ zu behalten. Farmer Roush bezeichnete die Patentierungen auf Saatgut als Diebstahl von Farmer – Erfahrungen über Generationen. Bei neuerdings vermehrt auftretenden resistenten Unkräutern – auf Grund der einseitigen Behandlung mit „Round up“ (einem Total – Herbizid) – bietet der Konzern gleich neue, eigene Unkrautvernichtungsmittel an. So schafft der Saatgutkonzern Probleme und löst sie auch gleich mit eigenem wirtschaftlichem Vorteil – aber auf Kosten der Farmer und der Umwelt.

Kleiner Kosmetik-Exkurs: es geht auch natürlich anders

Währen im Lebensmittelbereich immer stärker genmanipulierte Rohstoffe die Grundlage bilden, geht im Kosmetikbereich seit einigen Jahren andere Wege – zumindest in einem ganz speziellen Bereich. Die Rede ist von der Naturkosmetik. Hier wird durch unabhängige Zertifizierungsinstitute sichergestellt, dass nur nachhaltige angebaute Rohstoffe für die Herstellung von Produkte verwendet werden. Unternehmen wie Weleda, Natura Siberica und Speick gehen hier mit gutem Beispiel voran und setzen sogar weitestgehend auf Wildkräuter, die sogar zum Teil noch von Hand gepflückt werden. Durch Siegel wie ECOCERT oder BDIH wird ein nachhaltiges Gesamtkonzept garantiert und genmanipulierte Ingredienzien ausgeschlossen.

Nachteile von gentechnisch-verändertem Saatgut

Roush’s Kollege David Dechant berichtete über weitere Nachteile, dass nämlich die anfängliche Produktsteigerung durch eine größere Ernte zum Preisverfall am Markt geführt habe. Gentechnisch freies Saatgut sei kaum noch zu bekommen und  Regulierungsbemühungen mit Abstands- und Haftungsregelungen wie in Europa sind  in den USA völlig unbekannt. Gegeninformationen zur Gefährdung von Natur und  Gesundheit werden in den USA – wie auch z.B. in Südamerika – den Farmern und der Bevölkerung vorenthalten und zum großen Teil sind alle sehr sorglos und zeigen kein Interesse an mehr Informationen. Auch da werden die Unterschiede zwischen den USA und Old Europa sichtbar. Die meisten Farmer, so David Dechant, haben inzwischen resigniert, da der Nachbau von eigenem, nicht genmanipuliertem Saatgut so gut wie unmöglich ist.

Grüne Gentechnik

Beiden USA – Farmern war es auf ihrer Deutschlandtour sehr wichtig zu vermitteln, dass die noch gentechnikfreien Länder in Europa, Japan und anderswo nicht in diese Abhängigkeitsfalle einer noch nicht bewiesenen risikofreien „ Grünen Gentechnik“ der AGRO – Konzerne rutschen. Noch sind bei uns das Haftungsrisiko, die Umweltrisiken und die Gesundheitsgefährdung für 70% der Verbraucher gegenüber der neuen Technik zu groß. Doch der marktbeherrschende Druck durch die Saatgutkonzerne mit ihren Versprechungen auf unsere Parteien und ihre Politiker und auf unsere Landwirte lässt nicht nach. Argentinien hat diese neue Technik verboten, und sofort ließ das Interesse der Konzerne nach. In der Schweiz, Österreich, Ungarn und hoffentlich auch in Deutschland will man das Schlimmste verhindern und in ganz Europa bilden sich freiwillig immer mehr „Gentechnikfreie Regionen“. Das ist auch das Ziel der Veranstalter, der beiden großen Kirchen und der verschiedenen Umweltverbände – konkret für OWL. Die amerikanischen Farmer haben die europäischen Bemühungen mit großem Interesse gehört und unterstützen sie vorbehaltlos. Ihnen wurde nach einer umfassenden und lebhaften Diskussion mit langem, kräftigem Applaus gedankt.